Fachspezifische Information der ÖGI zu Covid-19

Sehr geehrtes Mitglied der ÖGI,      

in Zeiten der Krise sind wir angehalten, zu handeln und zu behandeln. Wir dürfen die derzeit nicht ausreichende Evidenz von randomisierten klinischen Studien im Umgang mit dem Krankheitserreger von COVID-19, dem SARS-CoV-2, als Mediziner nicht als Aufruf zur Untätigkeit sehen, sondern wollen selbstverantwortlich handlungs-und entscheidungsfähig bleiben.

Da eine valide, evidenzbasierte Strategie nicht verfolgt werden kann, empfiehlt es sich, bei Behandlungen die momentan vorhandene Datenlage auch niedrigerer Evidenzklassen heranzuziehen und ein möglichst Risiko-averses Vorgehen zu wählen.

Als Vorstand der ÖGI wollen wir Sie in diesem Sinne auf ein Statement des Präsidenten der DGI, Prof. Dr. Dr. Knut Grötz, zum Thema „ Implantieren – in Zeiten von Corona kontraindiziert?“ aufmerksam machen und die getroffene Einschätzung mit Ihnen teilen (Link: https://www.dgi-fortbildung.de/implantieren-in-zeiten-von-corona).

Weiters möchten wir betonen, dass dieses Statement zum derzeitigen Zeitpunkt der verhängten Ausgangsbeschränkungen der Bundesregierung nicht als Behandlungsempfehlung verstanden werden soll! Es kann uns jedoch im Umgang mit SARS-CoV-2 zu einer Strategie für eine personalisierte und individualisierte Zahnmedizin und Implantologie für die kommenden Monate verhelfen, die uns jedoch nicht der Pflicht enthebt, nach Ausschluss individueller Risikofaktoren im Einzelfall eigenverantwortlich zu entscheiden.

Folgende Kriterien wollen wir als wissenschaftliche Fachgesellschaft für die Sicherheit bei der Behandlung für die Entscheidungsfindung in Oralchirurgie und Implantologie  hervorheben:

  • Vermeidung von Aerosol produzierenden Behandlungsschritten (Verwendung von Ultraschall-, Piezo-Geräten)
  • Vermeidung von Eingriffen mit erhöhtem Bedarf an Nachkontrollen (Maximale Reduktion der Sozialkontakte)
  • Vermeidung von Eingriffen, deren mögliche Komplikationen nicht eigenständig zu bewältigen sind (Entlastung des Gesundheitssystems)
  • Vermeidung von Eingriffen bei den COVID-19 Risikogruppen angehörenden Patienten:
    • Kardiovaskuläre Erkrankungen, insb. Hypertonie
    • Respiratorische Vorerkrankungen (z. B. COPD, Asthma, Nikotinabusus)
    • Diabetes mellitus
    • Adipositas
    • Renale Insuffizienz
    • Senioren
    • multimorbide/onkologische/immunsupprimierte Patienten

Die angeführten Empfehlungen verstehen sich nur unter Anwendung der entsprechenden COVID-19-bedingten Vorgaben im Umgang mit Patienten in Bezug auf die aktuelle anamnestische Abklärung einer möglichen Infektion, Temperaturmessung, präoperative Spülung mit 1 %-iger H2O2 und Betaisodona (Mischverhältnis 1:1) und Behandlung unter den geforderten Schutzmaßnahmen und müssen an die laufend ändernden, behördlichen Vorgaben angepasst werden.

In den kommenden Wochen der angekündigten schrittweisen Lockerung und Aufhebung von Einschränkungen im öffentlichen Leben zu einem Übergang zur „Normalität“ haben wir die Verpflichtung, unsere momentanen Standards in der Behandlung von Patienten weiterhin hoch zu halten und die Lockerungen nicht leichtfertig zu interpretieren. Wir können nicht von einer „Zeit nach Corona“ sprechen, sondern werden mit Corona leben müssen und evidenzbasierte Daten werden wiederum eine laufende Adaptierung der vorhandenen Behandlungsprocedere  notwendig machen!

Unser Ziel ist nicht die Ansteckung aller zu verhindern, sondern das Gesundheitssystem so gut als möglich leistungsfähig zu halten. Auch die Zahnmedizin kann dazu einen gewichtigen Beitrag leisten (Link: https://www.bzaek.de/berufsausuebung/sars-cov-2covid-19/vorbeugung-einer-uebertragung).

Freundliche Grüße

Christoph Vasak

Präsident der ÖGI im Namen des gesamten Vorstandes